Ein Artikel
von 1975 über die Eumig-Vertriebsgesellschaft in den U.S.A.
In der Werkszeitschrift Eumig Lupe Nr. 3/1975 erschien im
Rahmen der Vorstellung der Eumig-Vertriebsgesellschaften
folgender Artikel von Meinulf Poiss (Präsident der Eumig
U.S.A., Inc.), der die damalige Problematik am
amerikanischen Markt recht gut darstellt:
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EUMIG U.S.A.,
Inc.
Eumig hat in den Vereinigten Staaten eine wechselhafte
Geschichte. Im Frühling 1965 waren die Probleme für
Eumig in den USA vielfältig. Der Verkauf stagnierte,
Ersatzteile und Zubehör fehlten und der Reparaturdienst
war so vernachlässigt, daß die Händler die Geräte
teilweise nicht mehr absetzen konnten. In dieser
schwierigen Situation begann ich mit meiner Frau den
Import und Verkauf von Eumig Geräten in den USA.
Auf der ersten Messe in Chicago, die wir beschickten,
hielt der Fachhandel betonte Distanz. Von den über 2000
Händlern, die die Ausstellung besuchten, fanden nur
wenige den Weg zu unserem Stand. Der Händler N. in
Cleveland, Ohio, der auf einem Posten Eumig-Kameras
sitzengeblieben war, war so verärgert, daß er von uns
nichts wissen wollte. Zu meiner Genugtuung kann ich sagen,
daß N. heute selbst nur mit Eumig-Kameras filmt, und daß
ihn sein erfolgreicher Verkauf von Eumig-Geräten zu
einem unserer wichtigsten Sützpunkte im Osten macht.
Unsere dringendste Aufgabe war unter diesen Umständen,
den Kundendiesnt zu reorganisieren. Nach außerordentlich
schwierigen und harten Aufbaumonaten konnten wir 1968
dann dazu übergehen, wieder die Verkaufstätigkeit zu
beginnen.
Dabei stellten uns die gewaltigen Distanzen der USA vor
immer neue Probleme. Einen Vorstellung von der
kontinentalen Größe dieses Landes vermittelt die
Tatsache, daß der Bundesstaat New York allein
dreieinhalb mal so groß ist, wie Österreich.
Unser Vertreter in Atlanta, Georgia, legt jedes Jahr
90000 Kilometer oder täglich über 350 Kilometer zurück,
um seine 170 Kunden zu betreuen. Dabei hat er manchmal so
weite Strecken zu bewältigen, daß er an einem Tag nur
einen Kunden besuchen kann. Die Eumig-Vertreter im
Nordwesten bearbeiten noch weit ausgedehntere Gebiete.
Aus
unserer Organisation
Eine anfängliche Zusammenarbeit mit dem Großhandel
erwies sich uneffektiv, weshalb wir den Markt heute
ausschließlich mit unserem eigenen Vertreterstab
bearbeiten.
Wir teilen das Bundesgebiet in drei Verkaufsregionen auf:
Osten, Mittelweste und Westen. Für jede Region zeichnet
ein regionaler Verkaufsleiter verantwortlich, dem wegen
der Distanzen und Verschiedenheit der Probleme
weitgehende Kompetenzen übertragen sind. Einschließlich
der Verkaufsleiter sind 14 Reisende unterwegs, darunter fünf
selbständige Handelsvertreter. Die regionalen
Verkaufsleiter rapportieren dem Verkaufs-Koordinator am
Hauptsitz in New York.
Die Service-Abteilung in New York und die sieben selbständigen,
strategisch über das ganze Land verteilten Service-Firmen
verfügen über geschultes Verkaufspersonal und
Ersatzteillager und betreuen die Eumig-Produkte nach dem
Verkauf.
Unsere Buchhaltung ist seit zwei Jahren mit einer IBM-Computer-Anlage
ausgestattet, die laufend auch für Spezialaufgaben
eingesetzt wird.
Von unseren äußerst erfolgreichen anderen Vertretungen,
die das Projektoren-Programm in idealer Weise ergänzen,
seien hier die Filmspulen der Firma Bonum und die Niles
und Walt Disney-Spielfilme genannt.
Da wir in unseren Geschäftsräumen in Manhatten immer
mehr an Raumnot litten, verlegten wir das Domizil vor
zwei Jahren nach Long Island, 30 Kilometer von Manhattan,
wo jede Abteilung über ihre eigenen Räumlichkeiten verfügt.
"Meet Manfred" lautete die Überschrift einer
Laudatio, die in der letzten Ausgabe unserere Händler-Zeitschrift
"Eumig News" erschienen ist. Sie galt einem der
ältesten und geschätztesten Mitarbeiter, Manfred Wenzel,
dem das gesamte Auftragswesen, Lager, Spedition sowie die
außerordentlich wichtige Händerbetreuung untersteht.
Ein zweiter deutscher Mitarbeiter, Peter Ragge, leitet
den Kundendienst mit großer Zuverlässigkeit.
Buchhaltungschef Antonio Santofimia erwarb sich
Verdienste, indem er die Compurter-Anlage für die
besonderen Verhältnisse unseres Betriebes organisierte.
Ein noch sehr jugendlicher Mitarbeiter, der sich
erstaunlich schnell in seine Obliegenheiten einarbeitete,
ist mein Assistent Jeffrey Thielen.
Unsere regionalen Verkaufsleiter Gus A. Lebarre und Dean
Brown sind für den Mittelwesten, beziehungsweise Westen,
verantwortlich. Forrest Austin betreut den Osten und
fungiert gleichzeitig als Verkaufs-Koordinator. Der Österreicher
Norbert Niessler, ursprünglich im Kundendienst, verkauft
unsere Geräte von Atlanta aus mit dem gleichen Erfolg,
mit dem er sie früher reparierte.
Ohne die fünf selbständigen Handelsvertreter zu rechnen,
beschäftigen wir 29 Angestellte - für einen so großen
und hart umkämpften Markt eine bescheidene Streitmacht.
Die personelle Unterbesetzung fordert unseren
Mitarbeitern einen vollen Einsatz und ein manchmal
geradezu unwahrscheinliches Arbeitspensum ab.
Konkurrenz-Situation
Die überlegene Konzeption und Funktionssicherheit der
Eumig-Geräte geben uns auf dem amerikanischen Mark eine
günstige Ausgangsposition. Auch unsere Formgebung kommt
bei den Amerikanern im allgemeinen an. Nachteilig wirkt
sich der Umstand aus, daß das Eumig-Fabrikationsprogramm
für eine europäische Kundschaft entwickelt wird, deren
Geschmack vom amerikanischen in mancher Hinsicht abweicht.
So lehnen die Amerikaner beispielsweise das Konzept der
Projektoren ab, da sie an die "self containing cases"
gewöhnt sind, bei denen alles Zubehör wie Spulen,
Netzkabel u.s.w im Deckel untergebracht ist. Um diese
Problem zu umgehen, müssen wir hier spezielle
Tragtaschen fertigen lassen, in die Projektoren und Zubehör
passen.
Der amerikanische Markt ist schnellebig und unberechenbar.
Er nimmt Neuheiten manchmal ganz plötzlich auf und stößt
sie ebenso rasch wieder ab. Andere erfordern eine
langwierige mühsame Einführung, wie der Eumig-Tonfilm-Projektor,
dem wir hier mit zeitraubenden Händler- und
Kundendemonstrationen zum Durchbruch verhalfen. Der
Tonprojektor ist eines der "First", die Eumig
in den USA popularisierte.
Unsere hauptsächlichen Gegenspieler am Kamera-Sektor
sind die Japaner, deren Preispolitik und Überangebot uns
sehr zu schaffen machen. Am Projektoren-Sektor haben wir
uns vor allem gegen die heimische Erzeugung mit den
Giganten Kodak, Bell & Howell und GAF zu behaupten.
Die USA sind ein zukunftsträchtiger Markt mir immensen
Entwicklungsmöglichkeiten, auf dem Eumig vor allem mit
den Projektoren Chancen hat. Eine der Voraussetzungen,
diese wahrzunehmen, ist Publikumswerbung. Henry Ford
sagte: "Selbst wenn du Gold zu verschenken hast, mußt
du es bekanntgeben, damit es dir abgenommen wird!".
Nicht zuletzt aufgrund der Qualität der Eumig-Produkte
sind unsere Werbeinvestitionen nicht so hoch wie die
mancher Konkurrenten.
Rückblick
und Ausblick
Die vergangenen zehn Jahre brachten EUMIG U.S.A. Inc.
eine stet Aufwärtsentwicklung mit allgählichen
Umsatzsteigerungen.
Unser Umsatz für 1974 liegt 45 Prozent über dem des
Vorjahres, und für 1975 wird ein neuer Höhepunkt
erwartet. In dieser Zeit überholten wir auf einem Markt,
auf dem die besten Filmgeräte der Welt in scharfem
Wettbewerb liegen, mit den Schmalfilmprojektoren die
gesamte internationale Konkurrenz. EUMIG exportiert in
die USA heute mehr Projektoren als irgend ein anderer
ausländischer Hersteller.
Vor einigen Wochen veranstaltete die führende
amerikanische Händler-Zeitschrift der Schmalfilmbranche
in den Fotogeschäften an der 32. Straße in Manhattan,
dem bekannten "Fotozentrum der USA", eine
Meinungsumfrage, bei der die Händler über ihre
Erfahrungen mit den verschiedenen Fabrikaten befragt
wurden. Eine der Fagen lautete: "Welche Filmkameras
verkaufen Sie am besten?" Antwort: "Eumig und
Bauer!" Frage: "Welche 8-mm-Projektoren?"
Antwort: "Am besten verlangt sind Dual-Projektoren (8mm
und Super8), und die Eumig-Projektoren sind ein
Verkaufsschlager!" (EUMIG projectors run away as a
sales favorite!").
Wir sind uns bewußt, daß dieser Erfolg ohne die elegant
verpackten technischen Wunderwerke aus Wien niemals möglich
gewesen wäre. Es gerät darum hier auch niemand in
Versuchung, auf Lorbeeren auszuruhen.
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