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Zwei Artikel von 1977 über die Metropolitan-HiFi-Geräte

In der Österreichischen Zeitschrift
"Praktiker" erschienen 1977 die beiden folgenden Artikel über die Metropolitan-Geräte von Eumig.

HiFi-Weltsensation aus Österreich (aus Praktiker 16/1977, Seite 27)

Vor längerer Zeit brachten wir schon eine Kurzmeldung darüber, daß "Eumig"' zum Anlaß der Berliner Funkausstellung in das HiFi-Geschäft einsteigen wird. Wir können nun unseren Lesern darüber Näheres berichten. Diese neuen Produkte werden übrigens ab Oktober dieses Jahres in Österreich und auch weltweit auf den Markt kommen.

Als sachlich denkende Menschen sind wir mit Superlativen sehr sparsam. Beurteilt man jedoch die hier vorgestellen neuen Eumig-Produkte auf Grund ihrer technischen Herstellerdaten, so kann man selbst bei aller Zurückhaltung nur von einer echten technischen Spitzenleistung sprechen.

Compact-Kassette für HiFi!

Was bisher kaum jemand für möglich hielt, gelingt mit dem neuen HiFi-Kassettenrecorder, den es sowohl für sich allein mit elektronisch gesteuertem Mischpult wie auch mit einem hochwertigen UKW-Stereo-Rundfunkteil samt Leistungsendstufe gibt:

Die garantierten Herstellerwerte sind selbst mit normalem Eisenoxidband und ohne Dolby besser als bei durchschnittlichen 19-cm/sec-Spulen-Tonbandgeräten! Bei Eisenoxidbändern 30...16 000 Hertz mit einem Toleranzbereich von nur 3 dB zu erreichen, mit Chromdioxid- und Eisenchromtypen sogar bis 18 000 Hertz bei gleicher Toleranz, ist mehr als selbst Verwöhnte benötigen.

Berücksichtigt man zusätzlich den Geräuschspannungsabstand, der je nach Bandsorte und Dolby-Zuschaltung mindestens 58...73 dB beträgt, und außerdem die besonders geringen Gleichlaufschwankungen (maximal 0,12 Prozent), so zeigen sich zwei wesentliche Erkenntnisse:

Von superlangen Spielzeiten abgesehen, ist damit die Compact-Kassette dem Spulentonband zumindest gleichwertig geworden. Desgleichen wurde damit der Beweis erbracht, daß Sonderkonstruktionen mit anderen Kassettentypen (zum Beispiel "Elcaset") praktisch überholt sind.

Diese Betrachtung muß natürlich auch auf den Preis bezogen werden.Trotz des integrierten, hochwertigen Mischpults mit vollelektronischer Steuerung schätzt man, daß der neue Kassettenrecorder "Eumig Metropolitan CCD" um höchstens 15000 ATS im Handel angeboten wird.

Optische Motorregelung

Als grundlegend neuartige Lösung der Gleichlaufprobleme hat Eumig bei seinen neuen Kassettenlaufwerken die optoelektronische Gleichlaufsteuerung eingeführt. An Stelle der trägen Schwungmasse erfolgt die Steuerung durch eine sogenannte "elektronische Schwungmasse" mit einer Regel-Abtastfrequenz von 15000 Hertz. Die geringe Masse von Motor und Welle (weniger als 2 Gramm) erklärt auch die außerordentlich kurze Hochlaufzeit von weniger als 1/25 s.

Eumig Metropolitan CCD   Kassettenspieler "Eumig Metropolitan CCD" mit vollelektronischer Sensorsteuerung und vielseitiger Mischmöglichkeit, optimalen HIFi-Werten (besser als die Bedingungen der DIN 45511 für Studio-Tonbandgeräte mit einer Bandgeschwindigkeit von 19 cm/s) und exakter Memory-Automatik.


Zwei massearme Glockenankermotoren dienen außerdem für den optimalen Bandwickel und als gegensinnige Freilaufsteuerung. Dadurch ist auch das Wechseln von einer Funktion zur anderen ohne Stopptaste möglich.

Die praktisch trägheitslose Konstruktion des Wickelmotors gestattet auch, über die Memory-Taste eine programmierte Bandstelle mit großer Präzision sowohl im schnellen Vor- wie auch Rücklauf anzusteuern.

Neues Dreikopf-System

Selbstverständlich findet ein Drei-Tonkopf-System Verwendung. Es ermöglicht eine exakte Hinterbandkontrolle und außerdem auch wirkungsvolle Echoeffekte. Diese Tonköpfe sind für weiten Frequenzbereich und großen Geräuschspannungsabstand entwickelt und auf einer Druckguß-Trägereinheit stabil montiert. Der entscheidend wichtige Kontakt zwischen Band und Köpfen wird durch ein anschwenkbares Gelenk an Stelle der üblichen Schiebereinheit optimal erreicht.

Überhaupt ist die Gesamteinheit Antriebsmotor - Cassettenhalterung und Tonköpfe einem völlig verwindungsfreien Druckgußchassis zugeordnet, so daß die Werkeinstellungen unverrückbar bleiben. An Stelle weiterer Erklärungen empfehlen wir unseren Lesern, diesbezüglich die zugehörigen technischen
Herstellerangaben eingehend zu lesen.

Als kompakte Verbindung mit dem vorerwähnten Kassettenrecorder "Eumig Metropolitan CCD" (Concert Cassette Deck) wird auch eine HiFi-Kombination angeboten. Sie enthält einen Stereo-UKW-Tuner mit L-Dioden-Anzeige, vollelektronischer Steuerung und einen Hochleistungsverstärker der Spitzenklasse mit einer Mindest-Nennausgangsleistung von 2x50 W Sinus an 4 Ohm. Das integrierte Mischpult kann ohne Zweifel als semiprofessionell bezeichnet werden. Auch diesbezüglich empfehlen wir, nähere Angaben den technischen
Herstellerdaten zu entnehmen.

"Praktiker" meint dazu:

In Verbindung mit der Compact-Kassette ist es Eumig gelungen, ein Aufnahme-Wiedergabegerät zu entwickeln, das seiner Leistung und Konstruktion nach zur Weltspitzenklasse zählt.

Beide Geräte, sowohl der Kassettenrecorder wie auch das HiFi-Kombinationsgerät, werden erstmals anläßlich der Berliner Funkausstellung, etwa mit Erscheinen des vorliegenden Heftes, der Öffentlichkeit vorgestellt. In Österreich ist die Auslieferung rnit Anfang Oktober zu erwarten.

Der außerordentlich hohe Aufwand an Halbleitern ist durch zahlreiche vollelektronische Funktionen bedingt, die sowohl der optimalen Leistung wie auch bestmöglichem Bedienungskomfort dienen. Dennoch liegen für das Gebotene die zu erwartenden Verwkaufspreise,. wenn man mit Ähnlichem - soweit es derartiges überhaupt gibt - vergleicht, sehr günstig. Der Kassettenspieler "Eumig Metropolitan CCD" wird voraussichtlich im allgemeinen unter 15000 ATS kosten und das HiFi-Kombinationsgerät "Eumig Metropolitan CC" maximal 25000 ATS.

Detail-Lösungen im Metropolitan CCD (aus Praktiker 16/1977, Seite 31)

An anderer Stelle dieses Heftes stellen wir die neuen HiFi-Geräte aus der EUMIG-Metropolitan-Reihe vor. In diesem Zusammenhang wird mehrfach darauf hingewiesen, daß die erreichten technischen Werte, vor allem jene des Kassettenrecorders, weit über dem liegen, was bisher mit Compactkassetten möglich war. Wie das Detailproblem Rauscharmut in der besonders kritischen Vorstufe gelöst wurde, wird hier gezeigt.

Es ist allgemein bekannt, daß mit Erscheinen der Compact-Tonbandkassette es unmöglich schien, HiFi-Qualität damit zu erreichen. Die ständige Weiterentwicklung der Magnetbandhersteller hat seither in diese Richtung ein Wesentliches beigetragen. Übrig blieb allerdings die Verstärkerseite.

Bei einer Bandgeschwindigkeit von nur 4,75 cm/s und einer Spurbreite von weniger als 1 mm waren iesbezüglich ja bisher kaum lösbare Probleme gegeben. Eumig hat nun im Rahmen seiner richtungweisenden Entwicklungen im Zusammenhang mit Magnetrandspur-Filmprojektoren eine Konzeption gefunden, die vorerst in zwei HiFi-Kassetten-Geräten der absoluten Spitzenklasse verwirklicht wurde.

Abgesehen von jenen Problemlösunden, die den außerordentlich guten Gleichlauf betreffen, wie optoelektronisch geregelter Bandantrieb und massearme Glockenankermotoren für den Bandwickel, galt es auch hinsichtlich des Verstärkerteiles eine größere Zahl an Detailproblemen zu lösen.

Ein Beispiel dafür kommt hier zur Vorstellung.

Die rauscharme Vorstufe

Bedingt durch die schmale Magnetspur und die geringe Bandgeschwindigkejt, ist bekanntlich die im Wiedergabekopf erzielbare Spannung sehr gering.

Um nun den Störabstand zu dieser im Sinne des hochwertigen HiFi groß zu halten, ist außer einer speziellen Kopfkonstruktion auch der nachfolgende Verstärker dafür entscheidend.

Unter Berücksichtigung der Kopfeigenschaften muß hier der Verstärkereingang einen Widerstand von mindestens 47 kOhm bei einer Eingangskapazität von kleiner als 60 pF aufweisen.

Dementsprechend ist für den Verstärkereingang eine Rauschspannung von höchstens 0,3 uV zulässig, bezogen auf den Wiedergabefrequenzgang, bewertet nach der Kurve A.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, erfolgte die Verwendung eines HF-Feldeffekt-Transistors als aktiver Bauteil. Um ein möglichst geringes Rauschen zu erreichen, war die Parallelschaltung zweier gleichwertiger FET erforderlich. Sie bringt bei Verdoppelung des Ausgangs-Drainstromes einen Anstieg des unkorrelierten Rauschens nur um den Faktor 0,7 (Wurzel aus 2).

Diese Überlegungen führen aber nur dann zum Ziel, wenn beide FET die gleiche Steilheit aufweisen. In der Praxis wäre das mit großen Schwierigkeifen verbunden, weshalb eine Dimensionierung gefunden wurde, die eine von Exemplarstreuungen weitgehend unabhängige Steilheit garantiert.

Eumig Metroplolitan - Schaltung der ersten Stufe des Wiedergabeverstärkers

BILD 1 zeigt die Schaltung der ersten Stufe des Wiedergabeverstärkers und wie das hier angeschnittene Problem dabei gelöst wurde. Ausgegangen wurde dabei von folgender Überlegung:

Nimmt man zwei Transistoren (T1, T2) an den Grenzen des Streubandes mit den Pinch-off-Spannungen U/P1 und U/P2 sowie den Strömen 1/DSS1, 1/DSS2, so muß eine Gate-Vorspannung U/V sowie ein wechselstrommäßig überbrückter Source-Widerstand R/S gefunden werden, so daß



Diese Gleichungen folgen direkt aus der Kennlinie eines Feldeffekttransistors und aus dem Ohmschen Gesetz, wenn man berücksichtigt, daß



BILD 2 und BILD 3 zeigen, daß unter diesen Voraussetzungen die Steilheit S in Grenzen willkürlich angenommen werden kann. Neben der Rauscharmut bietet diese Schaltung daher den Vorteil einer exemplarunabhängigen Verstärkung.

Eumig Metroplolitan - Rauscharmut

Eumig Metroplolitan - Rauscharmut

BILD 4 stellt die Gesamtschaltung des Wiedergabeverstärkers einschließlich der besprochenen Vorstufe und einer Wiedergabeentzerrung unter Verwendung eines aktiven RC-Filters mit elektronischer Entzerrungsumschaltung durch einen FET vor.

Eumig Metroplolitan - Gesamtschaltung des Wiedergabeverstärkers

Dargestellt ist selbstverständlich nur einer der beiden Kanäle und jener Teil, der unmittelbar dem Wiedergabekopf folgt. Diese, aus dem in bezug auf die Elektronik sehr umfangreichen Gerät herausgegriffenen Details beweisen, welche grundlegend neuen technischen Erkenntnisse und Konzeptionen in den Eumig-Kassettenrecordern angewandt wurden, um diese mit den geforderten Werten der Spitzenklasse in der Kassettentechnik auszustatten.

Abschließend möchten wir in diesem Zusammenhang auf die im gleichen Heft veröffentlichten technischen Daten der neuen Metropolitan-Reihe von Eumig hinweisen und in diesem Zusammenhang wiederholen, daß sie merkbar über jenen liegen, wie sie die DIN 45511 für Spulentonbandgeräte mit einer Bandgeschwindigkeit von 19 cm/s vorschreibt.

(Auszug aus einer Arbeit von lng. Fritz Schneider und Dr. Robert Scheiber von der Eumig-Projektgruppe Audio.)

Eumig Metroplolitan - Technische Daten